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Wenn der Körper nicht mehr auf die Beine kommt: Long Covid und die unsichtbare Erschöpfung

  • Autorenbild: Lilian Simanic
    Lilian Simanic
  • 7. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Mai

Rund 450'000 Menschen in der Schweiz leben mit Long Covid, weitere 60'000 sind an ME/CFS erkrankt, dem chronischen Erschöpfungssyndrom. Und die Dunkelziffer bei Erschöpfung nach anderen Infekten, nach Grippe, Pfeiffer'schem Drüsenfieber, Borreliose, ist noch viel grösser. Bund und Kantone arbeiten seit 2026 an einer nationalen Strategie. Bis sie greift, werden Jahre vergehen. Die Betroffenen aber können nicht warten.


In meiner Praxis sehe ich sie oft: Menschen, die früher beruflich und privat voll im Leben standen und nun daran scheitern, den Einkauf zu erledigen. Meist sind es Frauen zwischen 30 und 55, manchmal auch Jugendliche. Was sie verbindet, ist ein Satz, den ich in Variationen immer wieder höre: «Niemand versteht, was mit mir los ist. Meine Blutwerte sind normal, aber ich bin es nicht mehr.»



Was passiert im Körper?




Wie funktioniert Homöopathie?


Homöopathie basiert auf dem Prinzip „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“. Das bedeutet, dass eine Substanz, die in hoher Dosis bestimmte Symptome verursacht, in stark verdünnter Form die Heilung dieser Symptome fördern kann. Die Arzneimittel werden aus natürlichen Stoffen hergestellt und in mehreren Schritten potenziert.


Wichtig ist die genaue Anamnese, bei der der Homöopath die körperlichen Symptome, aber auch emotionale und mentale Zustände erfasst. So entsteht ein individuelles Bild, das die Auswahl des passenden Mittels ermöglicht.


Dazu kommen Hirnnebel, Schlafstörungen, Herzrasen im Stehen, Verdauungsprobleme, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die vorher nie da waren, Haarausfall, Temperaturregulation, die aus dem Takt gerät. Jeder Betroffene hat sein eigenes Mosaik.


Warum die Schulmedizin oft an Grenzen stösst


Die konventionelle Medizin hat keine einzelne, zugelassene Therapie gegen Long Covid. Studien zu Medikamenten wie Montelukast laufen, die Ergebnisse sind vielversprechend, aber nicht abschliessend. Spezialsprechstunden an Universitätsspitälern haben lange Wartelisten. Hausärzte tun ihr Bestes, stehen aber bei diffusen Krankheitsbildern oft selbst ratlos da.


Das ist keine Kritik an der Schulmedizin. Ich habe vierzig Jahre schulmedizinische Erfahrung und weiss, wie sorgfältig viele Ärztinnen und Ärzte arbeiten. Aber die klassische Labordiagnostik bildet diese Erkrankungen schlicht nicht ab. Und solange keine Messgrösse vorhanden ist, gibt es kein klares Protokoll.

Genau hier liegt die Stärke der klassischen Homöopathie: Sie braucht keinen Laborbefund, um zu arbeiten. Sie arbeitet mit dem Gesamtbild des Menschen.


Wie ich in der Praxis vorgehe


Bei Long Wenn Sie seit einer Infektion nicht mehr auf die Beine kommen, zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen. Eine homöopathische Begleitung kann sinnvoll sein, entweder parallel zur Betreuung durch Ihren Hausarzt oder einer Spezialsprechstunde, oder wenn Sie dort an Grenzen stossen.

Sie sind nicht allein, und Sie bilden sich das nicht ein. Ihr Körper versucht, Ihnen etwas zu sagen. Meine Aufgabe ist es, zuzuhören und ihn darin zu unterstützen, den Weg zurück zu finden. Covid und ähnlichen post-viralen Zuständen ist die Erstanamnese besonders wichtig. Ich nehme mir zwei Stunden Zeit, um den Zustand vor der Erkrankung zu verstehen, den Infekt selbst, und vor allem die Frage: Was ist seither nicht mehr so, wie es war?


In der homöopathischen Fallaufnahme arbeite ich mit dem, was die Homöopathen ein «Zustand nach…» nennen. Das bedeutet: Das Mittel wird nicht nur nach den aktuellen Symptomen gewählt, sondern auch nach dem Ereignis, das die Kippe ausgelöst hat. Jemand, der seit einer Grippe 2023 nicht mehr hochkommt, braucht oft ein anderes Mittel als jemand, der nach einer Covid-Impfung zusammenbrach oder nach einem langen Stressmarathon erkrankte.


Parallel arbeite ich mit den Betroffenen am sogenannten Pacing: das Einteilen der Kräfte, das Erkennen der eigenen Grenzen, bevor sie überschritten werden. Das ist kein glamouröser Heilungsweg, sondern ein langsamer, oft anstrengender Prozess. Aber Menschen, die ihre Energie kennen und respektieren lernen, erholen sich erfahrungsgemäss besser.


Was Sie selbst tun können


Wenn Sie seit einer Infektion nicht mehr auf die Beine kommen, zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen. Eine homöopathische Begleitung kann sinnvoll sein, entweder parallel zur Betreuung durch Ihren Hausarzt oder einer Spezialsprechstunde, oder wenn Sie dort an Grenzen stossen.

Sie sind nicht allein, und Sie bilden sich das nicht ein. Ihr Körper versucht, Ihnen etwas zu sagen. Meine Aufgabe ist es, zuzuhören und ihn darin zu unterstützen, den Weg zurück zu finden.

 
 
 

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