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Wenn die Schule krank macht: Angststörungen bei Jugendlichen und was wirklich hilft

  • Autorenbild: Lilian Simanic
    Lilian Simanic
  • 7. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Mai

In meiner Praxis sitzen immer häufiger Jugendliche, die morgens mit Bauchweh aufwachen, vor Prüfungen zittern oder nachts nicht mehr zur Ruhe kommen. Eltern sitzen daneben, ratlos. Sie fragen sich: Ist das noch normal? Oder brauchen wir Hilfe?

Die Zahlen geben eine klare Antwort. Laut dem AXA Mind Health Report 2024 sind bei den 18- bis 24-Jährigen in der Schweiz psychische Erkrankungen innerhalb eines Jahres von 30 auf 38 Prozent gestiegen. 



Das ist keine Modeerscheinung. Das ist eine Generation unter Druck.



Warum jetzt? Was ist anders als früher?


Als Pflegefachfrau und Homöopathin begleite ich seit vier Jahrzehnten Familien. Was ich in den letzten Jahren beobachte, hat eine neue Qualität. Es geht nicht nur um Prüfungsangst oder das klassische Lampenfieber. Es geht um ein Grundgefühl von Überforderung, das sich durch den ganzen Alltag zieht.


Die Ursachen sind vielschichtig. Die ständige Erreichbarkeit durch das Smartphone, der soziale Vergleich auf Instagram und TikTok, die Dauerkrisen in den Nachrichten (Klima, Krieg, Pandemie), der Leistungsdruck in der Schule und ein Familienleben, in dem oft beide Eltern beruflich stark eingespannt sind: all das summiert sich. Das kindliche Nervensystem hat kaum noch Phasen echter Ruhe, in denen es regenerieren kann.


Dazu kommt etwas Subtiles: Viele Jugendliche lernen heute, sofort zu reagieren, statt Gefühle auszuhalten. Langeweile, Traurigkeit, innere Leere werden weggewischt. Bis der Körper rebelliert. Und das tut er in Form von Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Kopfweh, Panikattacken oder der Weigerung, zur Schule zu gehen.


Beispiel aus der Praxis


Eine Patientin mit chronischen Kopfschmerzen berichtet, dass klassische Schmerzmittel nur kurzfristig helfen. Nach einer homöopathischen Behandlung mit individuell ausgewählten Mitteln besserten sich ihre Beschwerden deutlich. Die Behandlung berücksichtigte auch Stressfaktoren und Schlafgewohnheiten, was zu einer nachhaltigen Verbesserung führte.


Wie sich Angst bei Jugendlichen wirklich zeigt


Angst bei Jugendlichen sieht selten aus, wie Eltern sie erwarten. Sie äussert sich oft körperlich. Übelkeit vor der Schule. Herzrasen ohne Grund. Schwindel.


Konzentrationsschwäche. Oder auch als Reizbarkeit, Wut und Rückzug. Manche Jugendliche werden plötzlich zwanghaft ordentlich, andere verlieren jede Struktur. Der gemeinsame Nenner: Der Alltag wird zur Belastung, und das Umfeld merkt, dass etwas kippt.


Als Eltern dürfen Sie Ihrer Intuition vertrauen. Wenn Ihr Kind nicht mehr es selbst ist, über Wochen, dann ist das ein Signal.



Was die Homöopathie leisten kann


Die klassische Homöopathie arbeitet mit dem ganzen Menschen, nicht mit einer Diagnose. In der Erstanamnese nehme ich mir zwei Stunden Zeit, um zu verstehen: Wer ist dieser junge Mensch? Wann genau begannen die Beschwerden? Was belastet die Seele? Gab es ein Ereignis, einen Verlust, eine Überforderung, die den Ausschlag gab?


Aus diesem Gesamtbild wähle ich ein individuelles Konstitutionsmittel. Ein Beispiel: Ein 15-jähriger Junge, der zwanghaft auf alles achtet, vor Klassenarbeiten erbricht und ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle hat, braucht ein anderes Mittel als ein gleichaltriges Mädchen, das still leidet, sich zurückzieht und nachts stundenlang grübelt.


Die Homöopathie ersetzt keine Psychotherapie, wenn diese nötig ist. Aber sie kann das Nervensystem stabilisieren, die Widerstandskraft stärken und der Seele Raum geben, sich zu ordnen. In vielen Fällen genügt sie allein, in anderen begleitet sie eine gesprächstherapeutische Behandlung. Beide Ansätze stehen nicht in Konkurrenz, sondern wirken oft wunderbar zusammen.


Was Eltern konkret tun können


Reden Sie. Nicht über die Noten, sondern über das Leben. Schaffen Sie Räume, in denen Ihr Kind nicht funktionieren muss. Ein gemeinsames Abendessen ohne Handy, ein Spaziergang ohne Fragen zur Schule. Gewöhnen Sie sich an, Gefühle zu benennen, auch die eigenen. Kinder lernen durch Beobachtung, und wenn Eltern ihre Ängste verdrängen, lernen Kinder dasselbe.


Strukturieren Sie Schlaf und Bildschirmzeit. Das klingt banal, macht aber den grössten Unterschied. Das jugendliche Gehirn braucht neun Stunden Schlaf. Kein Handy im Schlafzimmer. Das ist keine Strafe, das ist Schutz.


Holen Sie Hilfe früh. Nicht erst, wenn das Kind die Schule verweigert.


Ein Gespräch mit einer Fachperson, auch wenn am Ende «keine Diagnose» steht, nimmt Druck aus dem System. Pro Juventute bietet unter der Nummer 147 rund um die Uhr eine anonyme Beratung für Jugendliche, die ich immer wieder empfehle.


Eine Einladung


Wenn Sie sich um Ihr Kind sorgen und nicht wissen, wohin Sie sich wenden sollen: Ein Gespräch in meiner Praxis kann ein erster Schritt sein. Oft reicht schon die Auslegeordnung, um zu sehen, ob eine homöopathische Behandlung passt oder ob andere Wege sinnvoller wären. Ich arbeite gerne im Verbund mit Ärztinnen und Therapeutinnen, weil jedes Kind einen eigenen Weg braucht.


Die gute Nachricht ist: Jugendliche reagieren erfahrungsgemäss sehr gut auf eine ganzheitliche Begleitung. Ihr Nervensystem ist noch formbar, ihre Selbstheilungskräfte sind stark. Was sie brauchen, sind Erwachsene, die zuhören, ohne sofort zu werten. Und manchmal einen sanften Impuls von aussen, um wieder ins Gleichgewicht zu finden.

 
 
 

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